Welthauptstadt der Fresken – Giotto – Palazzo della Ragione – Sotto Salone – Chioggia

Im Palazzo della Ragione – Der Saal ist über 80 Meter lang und stützenfrei. Ein Wunderwerk des 15. Jahrhunderts
Padua ist anstrengend. Immerzu muss man den Kopf in den Nacken legen, um Fresken in Kirchen und Palazzi zu bestaunen. Doch es lohnt sich. Padua ist eine kulturelle Perle in der oberitalienischen Provinz Veneto, eine lebhafte, vitale Stadt, die die Balance hält zwischen ihrem kulturellen Erbe und dem Wohlstand, der einer regen Wirtschaftsaktivität zu verdanken ist.

Sotto Salone – Markthalle seit mehr als 800 Jahren
Lässig leben in historischem Ambiente
Dass Padua anstrengend ist, ist natürlich ein Scherz. Ganz im Gegenteil: Wie andere oberitalienische Städte öffnet sich die Stadt gastfreundlich ihren Besuchern. Terrassencafés, gute Restaurants, ein traditionelles Kaffeehaus, bunte, vielfältige Märkte, gute und erstaunlich preiswerte Restaurants, dazu Hotels und B&Bs oftmals in historischen Gebäuden –
Wo andere Städte sich angestrengt um „life style“ bemühen, lebt man in Padua schon viele hundert Jahre ganz lässig und selbstverständlich in einem historischen Ambiente, das in einem Punkt weltweit einmalig ist: Padua ist die Welthauptstadt der Fresken. Ein Fresko ist ein Wand- oder Deckengemälde, das auf frischem, feuchten Kalkputz aufgetragen wird. Farbe und Putz verbinden sich beim Trocknen und werden dadurch extrem haltbar. Die Fresken in Padua sind mehrere hundert Jahre alt und untrennbar mit dem Namen eines Renaissancekünstlers verbunden: Giotto.

Scrovegni-Kapelle: Von Giotto mit kostbarem Ultramarin geschmückt.
Die Fresken in Padua – Ein Bruch mit der Tradition
Giotto steht für eine Zäsur in der europäischen Malerei: Im frühen 14. Jahrhundert führte er die Perspektive ein, lässt die Menschen Emotionen ausdrücken und stellt Räume und Menschen dreidimensional dar. Damit löst er die starre, zweidimensionale, schematische Malerei der Gotik ab. Giotto ging geradezu verschwenderisch mit der Farbe Ultramarin-Blau um, dem kostbarsten Pigment der Kunstgeschichte, teurer als Gold. Mit diesem intensiven Blau wurde der Himmel ausgekleidet und die Kleidung von Maria und Jesus hervorgehoben.

Erstmals werden Leid und Trauer auf Bildern dargestellt. Die Renaissance löst die Gotik ab.
Fresken begegnen dem aufmerksamen Besucher überall in Padua: In der Scrovegni-Kapelle, in der Kathedrale, im Palazzo della Ragione, im Baptisterium des Doms – und in vielen anderen, meist kirchlichen Gebäude. Padua wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet und nennt sich Urbs Picta – die gemalte Stadt.

Der Reichtum der Region – appetitlich präsentiert
Genuss unter dem Ratssaal
Eine sehr italienische Verbindung gehen Kunst & Kulinarik im Palazzo della Ragione ein: Das riesige Gebäude diente schon im 12. Jahrhundert als Markt- und Gerichtsgebäude und als kommunaler Versammlungsort. Von Giotto stammten die ursprünglichen Fresken, die allerdings bei einem Brand verloren gingen. Blickfang ist ein monumentales Holzpferd aus dem 15. Jahrhundert. Für uns heutige Besucher öffnet sich im Untergeschoss ein wahres Paradies: Sotto Salone – unter dem Ratssaal. Vielleicht der älteste überdachte Markt in Europa. Er verbindet die Lebenskultur Paduas vom Mittelalter bis heute. In zwei parallelen Gängen reihen sich die Verkaufsstände für Käse, Schinken, Salami, Fisch aneinander. Aber ich lasse mich auch gern verführen von kleinen Bars: In der einen gibt es die aus Venedig bekannten Cicchetti, in der anderen köstliche Focaccia und Panini. Ein kaltes Bier aus Südtirol und eine heiße Focaccia – das perfekte leichte Mittagessen. Und eine Entdeckung habe ich auch gemacht: Den würzigen, zwischen süß und bitter changierenden Carpano, der gerne als Apéritiv getrunken wird. Außerhalb des Palazzo türmen sich Gemüse und Obst auf den beiden Plätzen Piazza della Frutta und Piazza delle Erbe.



PRAKTISCHE TIPPS
Wohnen & Essen: Palazzo Carpe Diem am Prato della Valle: Stylish eingerichtete Zimmer in einem alten Gebäude. Zwei sehr gute Restaurants in unmittelbarer Nähe: Memmo Bistro und Al Prato. Frühstück in der Pasticceria Tombolato, nur ein paar Schritte entfernt. Tram-Haltstelle vor dem Haus.
Historisches Kaffeehaus: Pedrocchi. Ein monumentaler Palast für den Kaffeegenuss. Die historischen Räume sind aber häufig für Events gesperrt. Spezialität: Kaffee mit Minzeschaum. Gewöhnungsbedürftig.
Ausflug: Nach einer Stunde Fahrzeit öffnet sich eine andere Welt: Chioggia, am Rande der Lagune. Chioggia wird auch Klein-Venedig genannt. Großer Fischmarkt, malerische Altstadt. Schiffsverbindung nach Venedig.
Online: Ein Besuch der Scrovegni-Kapelle muss frühzeitig geplant werden. Zum Schutz dere Fresken dürfen nur wenige Besucher gleichzeitig in die Kapelle. Der Eintritt kann online reserviert werden.
Noch bis April auf Arte.tv streamen: Renaissance – Glanz und Gewalt einer Epoche.
https://www.arte.tv/de/videos/RC-027432/renaissance-glanz-und-gewalt-einer-epoche/
Auch sehenswert.
Toller Artikel, danke. Das Blau so intensiv leuchtend und die kulinarischen Genüsse so verlockend, das muss man in natura sehen und kosten:)
Wie immer ein Reisebericht, der Lust auf mehr macht. In Padua war ich noch nicht, offensichtlich ein Fehler!