Spektakuläre Bauten – Zeitgenössische Kunst – Fondation Louis Vuitton – Pinault Collection – Fondation Cartier

Fondation Louis Vuitton – etwa 30 Minuten mit der Metro vom Pariser Zentrum entfernt
Fondation Louis Vuitton: Ein spektakulärer Bau von Frank Gehry
Eigentlich wollte ich im Louvre die Klassiker anschauen und im Musée d´Orsay die Impressionisten bestaunen, doch dann kam alles anders. Gestolpert bin ich über das Foto eines Museums, das der jüngst verstorbene Frank Gehry am Rande des Pariser Bois de Boulogne entworfen hat. „Da muss ich hin,“ sagte ich mir schnell, denn Bauten von Gehry haben mich schon in Bilbao und Arles beeindruckt. Der spektakuläre Bau in Paris, der vermutlich um die 150 Millionen Euro verschlungen hat, beherbergt die Fondation Louis Vuitton. Bernard Arnault, Gründer und Hauptaktionär der Unternehmensgruppe LVMH, zu der Vuitton gehört, war der erste von drei superreichen Unternehmern, die ihre Sammlungen zeitgenössischer Kunst für das Publikum öffneten.


Immer gut besucht: Louis Vuitton, rechts: Ein Werk von David Hockney
Das Konzept der Fondation Louis Vuitton: Jeweils einem Künstler die Bühne für mehrere Monate überlassen. Zur Zeit sind 270 Werke des deutschen Künstlers Gerhard Richter aus allen Schaffensperioden zu sehen. Davor war es der alte Popartist David Hockney, dessen Werke präsentiert wurden. Der Bau von Frank Gehry erinnert an sturmgeblähte Segel am Rande einer großen Wald- und Parkfläche. Bernard Arnault hat als erfolgreicher Unternehmer 75 Luxusmarken wie Vuitton, Moet Hennessy, Dior zusammengeführt und global vermarktet. Sein Vermögen wurde vor den Turbulenzen an den Kapitalmärkten auf 140 Milliarden Euro geschätzt.

Bourse de Commerce: Im Inneren der Rotunde. Schwimmende Keramikschalen erzeugen einen harmonischen Klangteppich
Pinault Collection in der Bourse de Commerce
Die Pinault Collection bespielt die ehemalige Warenbörse Bourse de Commerce mitten im historischen Zentrum von Paris. Francois Pinault ist ein leidenschaftlicher und kenntnisreicher Kunstsammler – und Hauptaktionär der Groupe Kering, zu der Gucci, Yves St. Laurent und Puma gehören. Sein Vermögen wird auf 15 bis 20 Milliarden Euro geschätzt. In Paris konzentriert er sich auf ein „Best of“ – und stellt diese Werke jeweils unter einen Leitgedanken. Aktuell ist es die Minimal Art, 2025 hieß das Motto „Körper & Seele“. Große Namen der zeitgenössischen Kunst sind hier versammelt.


Der japanische Architekt Tadao Ando stellte einen hellen Betonzylinder in die historische Rotunde, rechts ein Blick in die Kuppel
Für mich war auch die umgebaute Bourse de Commerce ein besonderes Erlebnis. Der japanische Architekt Tadao Ando, heute 84 Jahre alt, hat mit einer genialen Idee die historische Form des Rundbaus betont und neu interpretiert: Er hat in die Mitte des Gebäudes einen Sichtbeton-Zylinder gesetzt. Der Beton ist sehr glatt, sehr fein, fast sinnlich. Man geht in einer Spirale nach oben und kann jederzeit zu den einzelnen Kabinetten wechseln, die sich im historischen Bau aneinanderreihen. Der Besucher bewegt sich also in zwei Welten, die miteinander kommunizieren: Da ist der historische Bau mit einer Glaskuppel – und dort – nur lose verbunden – der feine Betonzylinder. Einfach genial. Übrigens: Die Pinault Collection hat auch in Venedig zwei Standorte: Den Palazzo Grassi und die Punta della Dogana

Die Schmalseite der Fondation Cartier. Das Gebäude erstreckt sich rund 100 Meter zwischen der Rue de Rivoli und der Rue St. Honoré
Fondation Cartier in einem ehemaligen Kaufhaus
Der Dritte im Bunde der superreichen Kunstsammler ist Alain-Dominique Perrin. Er ist Stiftungspräsident der Fondation Cartier. Cartier hat das ehemalige Kaufhaus „Grands Magazins du Louvre“ vom französischen Architekten Jean Nouvel in ein High-Tech-Ausstellungsgebäude – mit höhenverstellbaren Böden! – verwandeln lassen. Gegenwärtig werden rund 600 Werke von über 100 Künstlern ausgestellt. Das Haus ist mit 6.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche riesig und liegt direkt dem Louvre gegenüber. Cartier ist Teil der Gruppe Richemont, zu der auch Montblanc, Jaeger Le Coultre, IWC und andere Luxusmarken gehören. Das Vermögen der Familie Rupert als Mehrheitsgesellschafter der Gruppe, wird auf 13 Milliarden Euro geschätzt


Duane Hansons hyperrealistische Skulptur, rechts ein Blick aus dem Gebäude der Collection Cartier
Paris ist mit drei außergewöhnlichen Sammlungen in drei außergewöhnlichen Gebäuden zu einem Hotspot der zeitgenössischen Kunst geworden. Ein weiterer Grund, wieder nach Paris zu fahren.
Noch eine leicht ironische Bemerkung zum Schluss: Die Geschlechtertürme in der Toskana, in Bologna und in Regensburg waren und sind stadtbildprägend, aber funktionslos und sollten „nur“ den Wohlstand und den sozialen Status wohlhabender Familien demonstrieren. In Paris zeigen drei Familien ihren Wohlstand in Form von Kunstsammlungen und aufsehenerregenden Gebäuden – für jeden Besucher zugänglich. Gefällt mir auf jeden Fall besser als die mittelalterlichen Türme – obwohl die Motive der Erbauer ähnlich sein mögen.
PRAKTISCHE TIPPS
- Hotels in Paris sind teuer und entsprechen oft nicht unseren Erwartungen. Ich habe aber ein hübsches Hotel *** zu einigermaßen erträglichen Preisen gefunden: Hotel Henriette. Gut und ruhig gelegen, gute Restaurants in unmittelbarer Nähe. Auch die Rue Mouffetard (Marktstraße) ist nicht weit entfernt.
- Fondation Louis Vuitton, dienstags geschlossen, https://www.fondationlouisvuitton.fr/en/events/gerhard-richter-exhibition
- Pinault Collection, dienstags geschlossen, https://www.pinaultcollection.com/en/boursedecommerce
- Fondation Cartier, montags geschlossen, https://www.fondationcartier.com/
Hallo Wilfried
Danke! Toller Artikel!
Schade, dass wir das noch nicht wußten, als wir im vergangenen November in paris waren.
Liebe Grüße
Norbert
Ganz herzlichen Dank
Das neue Mäzenatentum erinnert an die Renaissancefürsten.
Uneigennützig … nicht ganz, aber alles in allem eine wunderbare Bereicherung.
Dies wird nun der Grund sein bald nach Paris zu fliegen.
Ganz herzlichen Dank.